
Auf der Dachterrasse: Dagmar Pfeffermann, Frank Hieret, Ansgar Erb und Eugen Glöckner mit dem Bundestagsabgeordneten Johannes Wiegelmann
Bundestagsabgeordneter Johannes Wiegelmann besucht Hospiz St. Elisabeth in Gelnhausen
Leben bis zuletzt
Eine Hochzeit an einem Ort, an dem Menschen die letzten Tage ihres Lebens verbringen? Auch das gibt es. Im Hospiz St. Elisabeth in Gelnhausen wurde sogar schon eine Biker-Hochzeit gefeiert. Eine Geschichte, die zeigt, dass hier nicht nur Abschied genommen, sondern auch gelebt, gelacht und gefeiert wird. Im Mittelpunkt stehen die Menschen mit ihren ganz persönlichen Wünschen und Bedürfnissen. Wie das im Alltag gelingt, erfuhr der CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Wiegelmann bei einem Besuch der Einrichtung.

Hospizleiter Frank Hieret, die Geschäftsführer Dagmar Pfeffermann und Ansgar Erb sowie Eugen Glöckner, stellvertretender Vorsitzender des Förderkreises, nahmen sich Zeit, dem Abgeordneten das Haus und seine Geschichte vorzustellen. Glöckner überbrachte dabei auch die Grüße des Förderkreisvorsitzenden Rolf Heggen, der an diesem Tag verhindert war.
Acht Menschen mit einer unheilbaren, weit fortgeschrittenen Erkrankung finden im Hospiz St. Elisabeth ein Zuhause auf Zeit. Manchmal sind es nur wenige Stunden, manchmal mehrere Monate. Einen festen Ablauf gibt es nicht. Jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte, seine Gewohnheiten und Wünsche mit. Angehörige können viel Zeit mit ihren Liebsten verbringen, selbst Haustiere sind als Besucher willkommen.
Beim Rundgang bekam Johannes Wiegelmann einen Eindruck davon, wie viel Wert auf eine persönliche und wohnliche Atmosphäre gelegt wird. Von der Dachterrasse reicht der Blick weit über Gelnhausen. Im Raum der Stille finden Gäste und Angehörige einen Ort, um zur Ruhe zu kommen, Kraft zu schöpfen oder Abschied zu nehmen. Ein Erinnerungsbuch bewahrt das Andenken an die Menschen, die hier ihre letzten Tage verbracht haben. Auch seelsorgerische Begleitung wird angeboten, unabhängig davon, welcher Konfession jemand angehört.
Dass sich die Gäste gut aufgehoben fühlen, dafür sorgen 18 Mitarbeiter, die rund um die Uhr im Schichtdienst für sie da sind. Sie pflegen, hören zu, trösten und sind manchmal einfach nur da. Eine Arbeit, die viel Kraft kostet und bei der auch die Beschäftigten Unterstützung brauchen. Deshalb gibt es regelmäßige Supervision. Hospizleiter Frank Hieret, der das Haus seit knapp zehn Jahren leitet, möchte seine Aufgabe dennoch mit keiner anderen tauschen. „Ich kann mir keine wertschätzendere Tätigkeit vorstellen“, sagt er.

Getragen wird das Hospiz von der Caritas im Bistum Fulda und dem Förderkreis Hospiz Kinzigtal. Der Förderkreis zählt rund 650 Mitglieder und ist eine wichtige Stütze der Einrichtung. Denn über die reguläre Finanzierung werden nur 95 Prozent der laufenden Kosten gedeckt. Die verbleibenden fünf Prozent muss der Förderkreis selbst aufbringen. Dafür ist er neben den Mitgliedsbeiträgen vor allem auf Spenden angewiesen.
Auch über die politischen Rahmenbedingungen wurde gesprochen. Dabei ging es um das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz und das geplante Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) sowie die Frage, welche Folgen die gesetzlichen Änderungen für die Hospizarbeit haben könnten.
Johannes Wiegelmann nahm viele Eindrücke aus seinem Besuch mit. Besonders bewegte ihn, mit wieviel Empathie die Mitarbeiter auf die Gäste und ihre ganz persönlichen Bedürfnisse eingehen. „Wer einen schwerkranken Menschen begleitet, weiß, wie viel schon eine kleine Geste, ein offenes Ohr oder einfach ein bisschen gemeinsame Zeit bedeuten können. Genau diese Zuwendung ist hier überall zu spüren“, sagte der Bundestagsabgeordnete. „Ich habe großen Respekt vor den Menschen, die sich dieser Aufgabe jeden Tag stellen. Sie geben den Gästen und ihren Familien in einer unglaublich schweren Zeit Halt und Geborgenheit.“
Text: Esther Wilfert

Eugen Glöckner nutzte die Gunst der Stunde, um Johannes Wiegelmann als neues Mitglied für den Förderkreis zu gewinnen.
Förderkreis Hospiz Kinzigtal e.V.