
Waidmanns Dank: Pflegedienstleiterin Beate Eberl, Hospizleiter Frank Hieret sowie die Förderkreis-Vorstände Eugen Glöckner und Rolf Heggen freuen sich über die Wild- und Geldspende von Jagdleiter Philipp Buchenau (2. von rechts) und Rainer Christ (links daneben)
Lebensqualität auf dem letzten Weg
Philipp Buchenau und Rainer Christ spenden für die Gäste des Gelnhäuser Hospizes
Als Jagdleiter im Gelnhäuser Stadtwald weiß Philipp Buchenau, wie man ein Reh fachgerecht erlegt. Rainer Christ wiederum weiß als ausgebildeter Koch, wie man Wild schmackhaft zubereitet. Gemeinsam haben die beiden Gelnhäuser nun ein solches Reh dem Hospiz Kinzigtal gespendet – und bei der Übergabe gleich noch wertvolle Rezepttipps mitgeliefert
Als Eugen Glöckner, stellvertretender Vorsitzender des Förderkreises des Hospizes, einen Anruf von Philipp Buchenau erhielt, war die Freude groß – und die Überraschung ebenso. Der Jagdleiter der Jagdgenossenschaft Gelnhausen-Mitte kündigte an, dem Hospiz ein Reh aus dem Gelnhäuser Stadtwald zu spenden. Zur Übergabe kam Buchenau nicht allein: Rainer Christ begleitete ihn, steuerte zusätzlich 300 Euro aus eigener Tasche bei und brachte nicht nur kulinarische Erfahrung, sondern auch handwerkliches Geschick mit.
Bei der Übergabe wurde viel gesprochen – über die Jagd, über gutes Essen, aber vor allem über die Arbeit im Hospiz. Denn das Reh soll den Gästen des Hospizes schmecken. Essen ist ein wichtiger Faktor im Hospizalltag, wie Leiter Frank Hieret erläuterte. „Wenn gekocht wird, sind die Gäste oft dabei. Selbst wenn manche nicht mehr essen können, nehmen sie die Gerüche wahr, die Geräusche und genießen dieses Erlebnis.“
Für Philipp Buchenau war es nicht der erste Kontakt mit der Einrichtung: Bereits vor einem Jahr hatte er im Namen der Jagdgenossenschaft Gelnhausen-Mitte ein Wildschwein gespendet. Damals war er zum ersten Mal im Hospiz. „Ich hatte zuerst ein mulmiges Gefühl“, erinnert er sich. „Nachdem ich die Menschen hier kennengelernt habe – dieses großartige Team, diese hellen und schönen Räume – bin ich mit einem Lächeln hinausgegangen. Das hat mich wirklich überrascht.“
Diese Erfahrung ist keine Seltenheit, erläutert Rolf Heggen, Vorsitzender des Förderkreises. „Wir hören das oft. Viele Menschen haben Berührungsängste mit einem Ort, an dem Menschen sterben. Deshalb ist es uns ein großes Anliegen, dieses Thema zu enttabuisieren und auch nach draußen zu gehen, etwa zu Schülern oder anderen Gruppen.“ Besuche im Hospiz seien dafür besonders wichtig.
Das Hospiz Kinzigtal wurde vor gut acht Jahren eröffnet und verfügt über acht Plätze. Es ermöglicht seinen Gästen, die letzte Lebensphase selbstbestimmt und würdevoll zu gestalten. Die vorherrschenden Emotionen sind Trauer, Angst und Wut – aber auch Humor. „Für Angehörige ist es manchmal gewöhnungsbedürftig, dass hier so viel gelacht wird“, sagt Frank Hieret. „Aber das ist enorm wichtig.“ Denn auch wenn die Gäste schwer krank seien, sei das Hospiz ein Ort des Lebens. Das Team versucht, diesen Lebensabschnitt mit vielen Erlebnissen zu füllen – auch wenn Planung oft nur kurzfristig möglich ist. „Wir hatten einmal eine Adventsfeier geplant. Drei Tage später waren von sieben Gästen nur noch zwei da“, erzählt Hieret. „Wir können tatsächlich nur für wenige Tage planen.“ Dennoch wollen Buchenau und Christ, beide Mitglieder der Wählergemeinschaft Bürger für Gelnhausen, das Grillfest im Hospiz im kommenden Sommer mit Würsten unterstützen. Ganz spontan eben. Für Rainer Christ war es der erste Besuch in den Räumen an der Holzgasse. Er zeigte sich tief beeindruckt: „Alle hier arbeiten äußerst professionell. Dennoch ist diese Tätigkeit kein gewöhnlicher Job.“ Es geht um den Umgang mit Grenzsituationen.“
Förderkreis Hospiz Kinzigtal e.V.