
Spendenübergabe im Atelier: Heike Heggen, Frank Hieret, Rolf Heggen, INK
Blick in die Ewigkeit
Künstlerin INK Sonntag-Ramirez Ponce spendet 1.500 Euro an Förderkreis Hospiz Kinzigtal
„Ich kann doch kein Geld mit meiner Oma verdienen“, stand für INK Sonntag-Ramirez Ponce außer Frage. Und so überreichte die Jossgründer Künstlerin vergangene Woche den Reinerlös eines Fine-Art Prints an Mitglieder des „Förderkreises Hospiz Kinzigtal“ mit Sitz in Gelnhausen.
Bitterkalt und sternenklar war es, als die Vertreter des Vereins in dem kleinen Spessartdorf anreisten. „Kommt rein, ich habe schon geheizt“, erwartete sie INK in ihrem Atelier, das das Erdgeschoss der „Fabrik“ in Jossgrund-Oberndorf einnimmt. Bevor sie den Scheck überreichte und die spanischen Tapas und Salate anbot, nahm INK sich die Zeit, ihren interessierten Gästen von der Geschichte des Hauses und ihrem ganz besonderen Weg zur Kunst zu erzählen.
Die Besucher schlenderten von Raum zu Raum. „Ahs“ und „Ohs“ waren zu hören, als die freischaffende Künstlerin durch ihre Atelierräume führte und von ihrer beharrlichen Suche nach einmal gesichteten Models oder den Fotosessions im beschaulichen Oberndorf erzählte. Lachen erschallte. Doch plötzlich wurde es ganz still. INK hatte mit den Worten „das ist meine Oma“ ein Bild enthüllt, das bislang ganz unbemerkt und unscheinbar auf einer Staffelei in der hinteren Ecke gestanden hatte. Das 85 mal 120 Zentimeter große Kunstwerk zeigt ihre 96-jährige Großmutter, zwei Wochen vor ihrem letzten Einschlafen. Mit unzähligen Runzeln und einem zarten Lächeln im Gesicht setzt sich die Bleistiftzeichnung auf Papier aus zahlreichen Fotos und den Erinnerungen der Künstlerin zusammen.
Erst ein Jahr nach dem Tod ihrer Großmutter war INK in der Lage, mit der Zeichnung zu beginnen. Jüngst durfte sie „Blick in die Ewigkeit“ anlässlich der Ausstellung „Geflecht“ in der renommierten Leipziger Baumwollspinnerei der Öffentlichkeit präsentieren. „Das war echt ein cooles Ausstellungsambiente in der Baumwollspinnerei“, zeigte sich die Oberndorferin begeistert. Im Gästebuch zu ihrer Arbeit las sie anschließend neben dem Kommentar „Eine Topographie des Lebens“ auch die Aussage: „Zum zweiten Mal in meinem Leben weine ich vor einem Gemälde – das erste Mal war es vor Munchs ´Schrei´ – und heute!“
Besonders berührt hat der „Blick in die Ewigkeit“ ein Ärzteehepaar aus Görlitz. Augenblicklich wollte es das Kunstwerk kaufen, doch INK insistierte, das Original sei aus persönlichen Gründen unverkäuflich. Schließlich wurde ein limitierter und qualitativ äußerst hochwertiger Druck verkauft, der fortan als so genannter Fine-Art Print eine sächsische Palliativpraxis künstlerisch auszeichnet.
Da sie mit ihrer Großmutter keinen Gewinn erzielen wollte, spendete die 59-Jährige die Verkaufseinnahmen nach Abzug ihrer aufgewendeten Kosten an den „Förderkreis Hospiz Kinzigtal“, der sich mit vielen ehrenamtlichen Helfern darum bemüht, ein Sterben in einem vertrauten Umfeld in Achtsamkeit und Würde zu ermöglichen.
„Am Ende nicht allein“ – das Motto des 2014 gegründeten Vereins eignete sich auch für INKs Großmutter. „Meine Oma wollte immer reisen“, erinnerte sich INK. „Doch sie war eine arme Frau aus dem Vogelsberg, die ihr Leben lang hart arbeiten musste. Einen Urlaub konnte sie sich überhaupt nicht leisten. Jetzt reist sie“, betont die Künstlerin, sichtlich bewegt neben dem übergroßen Portrait stehend. So wird es vielen Besuchern ergehen, wenn sie auf einer der zukünftigen Ausstellungen dem „Blick in die Ewigkeit“ begegnen.
Der Artikel von Sabine Graf ist am 4. Dezember 2025 in der GNZ erschienen. Foto: Gregor Schaal
Förderkreis Hospiz Kinzigtal e.V.